Geschäftsführer Andreas Haas im Gespräch

Andreas Haas weisser HG

Andreas Haas, Geschäftsführer
Seit 2004 bei der AWO Sozialstation Rems-Murr

Seit Ende 2004 ist Andreas Haas Geschäftsführer der AWO Sozialstation Rems-Murr. Gute MitarbeiterInnen sollten seiner Ansicht nach Überzeugungstäter in ihrem Beruf sein und ihm als Chef auch widersprechen.

Was macht einen guten Chef aus?  

Ein guter Chef sollte vom Geschäft Ahnung haben, aber auch in der Lage sein, die Zusammenarbeit in den Teams und den Zusammenhalt zu fördern. Außerdem sollte er seinen Mitarbeitern Raum geben, ihre Kompetenzen auszuleben. Ein guter Chef schafft Einigkeit über ein gemeinsames Ziel. Aber den Weg dahin gestaltet der, der dafür verantwortlich ist. Dafür finde ich Selbstständigkeit bei jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin wichtig, egal ob Führungskraft oder nicht.

Was für MitarbeiterInnen sucht die AWO Sozialstation?

Überzeugungstäter (lacht). Im Ernst, wir wollen MitarbeiterInnen, die ihren Job gerne machen und gerne in der Pflege arbeiten! Die fördern wir dann auch gerne. Loyal und zuverlässig sollten sie auch sein. Aber auch kritisch und Personen, die auch widersprechen und sich einbringen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, das wollen wir zusammen erreichen.

Was für ein Ziel ist das?

Wir wollen unsere Aufgabe gut erledigen, d.h. wir wollen, dass die Leute gut versorgt sind, um die wir uns jeden Tag kümmern. Außerdem wollen wir – damit meine ich nicht nur mich, sondern unser gesamtes Führungsteam –, dass unsere MitarbeiterInnen sich wohl fühlen bei uns, auch wenn mal Druck ist. Es klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber was wir tun, soll solide sein: wir sind ernsthaft bemüht unsere Patienten gut zu versorgen und unsere MitarbeiterInnen sollen gute Arbeitsbedingungen haben. Und Spaß an der Arbeit. Sie sollen gerne zur Arbeit kommen.

So einfach sind die Arbeitsbedingungen in der Pflege ja nicht unbedingt.

Ja, Herausforderungen gibt es beim Arbeiten in der Pflege viele. Die Arbeit ist fachlich sehr anspruchsvoll, aber auch menschlich nicht einfach. Man versorgt nicht nur die Patienten, sondern ist auch in ständigem Austausch mit den Familienangehörigen und dem Umfeld der Patienten. Das kann auch mal belastend sein. Dazu kommt der ganze administrative Teil: wir müssen viele Vorgaben und externe Qualitätsanforderungen seitens Kassen und Gesetzgeber einhalten. Gleichzeitig stehen wir unter finanziellem Druck – es werden für bestimmte Leistungen eben nur bestimmte Beträge bezahlt. Da ist es nicht immer einfach, seinen Beruf als Berufung auszuleben, weil man nicht immer die Zuwendung geben kann, die man eigentlich möchte. Das erzeugt inneren Druck. Und zu guter Letzt sind unsere Patienten 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche hilfebedürftig, das kollidiert mit dem Privatleben. Wir haben ja einen Großteil Frauen bei uns im Team, viele davon Mütter, die neben ihrem Beruf auch noch Kinder versorgen.

Wie geht die AWO Sozialstation mit diesen Herausforderungen um?

Eine guter Team-Zusammenhalt ist das Wichtigste. Und dass wir Führungskräfte immer hinter unseren MitarbeiterInnen stehen. Damit können wir vieles auffangen, gerade wenn es um die eher emotionalen Belastungen des Jobs geht. Sonst sorgen wir mit Fortbildungen dafür, dass unsere Leute sich immer weiter qualifizieren und fachlich gut ausgebildet sind. Die Arbeitszeiten versuchen wir so zu organisieren, dass man die Versorgung der Kinder mit Kita und Partner unter einen Hut bringen kann. Einem Teil der MitarbeiterInnen können wir dafür besondere Arbeitszeitmodelle anbieten. Und den emotionalen Druck, dass man seinem Beruf nicht gerecht werden kann, wollen wir damit nehmen, dass wir unsere Einsatzpläne nicht nach Zeiten schreiben, die man bei einem Patienten brauchen soll, sondern danach, wie lange der Einsatz wirklich dauert.

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