Interview Reweland 700x350

Im März 2018 hat Ute Reweland, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Mutter von drei Kindern, ihre Weiterbildung zur Praxisanleiterin bei der AWO Sozialstation Rems-Murr abgeschlossen. Seither steht sie den Auszubildenden der Sozialstation mit Rat und Tat zur Seite und vermittelt ihnen die praktischen Inhalte ihrer Ausbildung. Eine Aufgabe, der Ute mit Leidenschaft und Spaß nachgeht.

Wann wussten Sie, dass ein Pflegeberuf für Sie das Richtige ist?

Ich wollte schon immer etwas mit Menschen machen und Menschen versorgen. Meine ersten Berührungspunkte mit dem Pflegeberuf hatte ich nach der Schule. Bevor meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin losging, habe ich als Familien- und Haushaltspflegerin gearbeitet. Eigentlich dachte ich dann daran, Physiotherapeutin zu werden. Ich stand neben der Krankenpflegeschule auch schon auf der Warteliste für die Physiotherapieschule in Waldenburg. Aber die Krankenpflegeschule hat sich dann zuerst zurückgemeldet. In dem Moment dachte ich, dass ich ja erst das eine und dann das andere machen könnte. Allerdings gefiel es mir dann in der Pflege so gut, dass ich geblieben bin.

Wie sind Sie dann zur AWO Sozialstation Rems-Murr gekommen?

Nach meinem Ausbildungsabschluss 2004 habe ich zuerst kurz im Pflegeheim und dann bei einem anderen ambulanten Pflegedienst gearbeitet. Das Team kannte ich schon von meinen Praktika und hat mir gut gefallen. Ich war dann 13 Jahre dort, auch über meine Elternzeit für meine drei Kinder, phasenweise nur mit 15% Arbeitspensum, um nicht ganz raus zu kommen. 2017 wollte ich dann wieder mehr arbeiten. Außerdem wollte ich mich gerne weiterentwickeln und schon immer meine Ausbildung zur Praxisanleiterin machen. Es macht mir einfach wahnsinnigen Spaß, mit SchülerInnen unterwegs zu sein und ihnen die verschiedenen Aufgaben in unserem Beruf zu zeigen. Als die AWO Sozialstation mir dann eine Muttertour mit Arbeitszeiten von 8 bis 12 Uhr und die Praxisanleitung als Weiterbildung angeboten hat, habe ich natürlich zugeschlagen.

Wie lief die Weiterbildung ab?

Ich musste eine Woche im Monat zum Blockunterricht in die AWO Schule für Pflegeberufe nach Sindelfingen. Das hieß morgens 6 Uhr aus dem Haus und dann Unterricht bis abends um 18 Uhr. Mit drei Kindern zuhause war das nicht immer ganz einfach und mein Mann musste ziemlich viel ran. Mit dem Einsatz seiner freien Tage und verschiedener Urlaubstage haben wir das aber hin bekommen. Die Weiterbildung ging dann bis März 2018 und wurde von mir mit einer sehr guten Facharbeit und einem Einser-Kolloquium abgeschlossen.

Danach konnten Sie gleich als Praxisanleiterin eingesetzt werden?

Danach habe ich zuerst schleichend angefangen, als Praxisanleiterin zu arbeiten und dann mehr und mehr SchülerInnen und Aufgaben übernommen. Seit wir unsere ersten vietnamesischen Schülerinnen im Herbst 2018 bekommen haben, ging es dann richtig los. Momentan betreue ich sieben SchülerInnen: eine Schülerin im 3. Jahr in Backnang, einen Schüler in Winnenden im 2. Jahr, 3 Schülerinnen in Schorndorf im 1. Jahr. Außerdem fahren zur Zeit noch zwei Schülerinnen als Praktikantinnen in Backnang mit auf Tour, besuchen jedoch noch drei mal in der Woche einen Sprachkurs im AWO-Pflegeheim Pfostenwäldle. Im Herbst fangen dann auch sie ihre Ausbildung an.

Wie sieht so ein Tag als Praxisanleiterin aus?

Ich bin ganz normal alleine auf Tour und versorge unsere Patientinnen. Zusätzlich bin ich geplant mit meinen SchülerInnen unterwegs und nehme sie mit zu den PatientInnen und leite sie vor Ort an. Sie dürfen dann die Behandlungen, die sie in der Schule schon theoretisch gelernt haben, selbst durchführen. Manchmal haben wir auch „Anleitungstage“ und üben Dinge an uns selbst, wie z.B. „Beine wickeln“ und besprechen die Theorie dazu. Oder wir suchen im Vorfeld bestimmte PatientInnen aus, bei denen wir etwas Bestimmtes üben wollen. Zusätzlich habe ich feste Bürozeiten. Da verfasse ich Beurteilungen, plane, welche SchülerInnen wann und wie betreut werden, leite neue MitarbeiterInnen an oder führe Gespräche, wie ich den Azubis zur Seite stehen und sie unterstützen kann. Unser Ziel ist immer, das unser Qualitätsmanagement und unser eigener Qualitätsanspruch stimmen und unsere SchülerInnen gut eingearbeitet werden. Und das alles bringe ich so unter, dass ich spätestens 12:30 Uhr zuhause bei meinen Kindern sein kann. (lacht) Zusätzlich arbeite ich ein Wochenende im Monat.

Werden Ihre SchülerInnen dann nur bei Ihnen im ambulanten Pflegedienst angeleitet?

Die Ausbildung sieht vor, dass man verschiedene Einrichtungen kennenlernt. Dazu haben wir Kooperationen mit verschiedenen Pflegeheimen, zu denen wir unsere SchülerInnen im Außenpraktikum schicken und umgekehrt auch SchülerInnen bei uns aufnehmen. Meine SchülerInnen gehen auch ins Krankenhaus und in die Psychiatrie/Gerontopsychiatrie. Außerdem haben die drei Praxisanleiterinnen der AWO-Heime in Winterbach, Kornwestheim und ich einen engen Austausch. Wir haben dieselben Fragen zur neuen Ausbildung als Pflegefachmann/frau und dieselben Herausforderungen für die praktische Umsetzung, dann steht man nicht alleine da. Insgesamt ist es im Moment eine spannende Zeit für uns alle: Es ist alles im Aufbau, vieles im Umbruch, ich bin schon ganz gespannt wie es wird.

Welche Änderungen bringt die neue Ausbildung zum/r Pflegefachmann/frau für Sie als Praxisanleiterin?

Da kommt einiges auf uns zu und im Moment knien wir uns ganz schön rein, dass wir gut und schnell in die neue Ausbildung reinkommen. Es werden zum Beispiel in Zukunft mehr Anleiterstunden pro Azubi veranschlagt, d.h. ich werde mit jedem Azubi mehr Stunden verbringen als bisher. Das ist toll! Außerdem werde ich als Praxisanleiterin in Zukunft neben einem Lehrer von der Schule bei den praktischen Prüfungen dabei sein und diese auch bewerten. Auch an mich selbst verändert sich der Anspruch: Ich muss bestimmte Fortbildungen und Schulungen besuchen und diese entsprechend nachweisen. Daher bin ich froh, dass eine weitere Kollegin die Ausbildung zur Praxisanleiterin im Herbst beginnt. Sonst wäre mein Arbeitspensum nicht mehr so familienfreundlich (lacht).

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